Jedes Mal, wenn irgendwo in den Weiten des Netzes, bzw., den Engen, in denen ich mich herumtreibe, wieder eine Unterlassungsklage dokumentiert ist, freue ich mich, keine Mailadresse angegeben zu haben. Und frage mich, ob sich eines Tages jemand die Mühe macht, sie doch noch irgendwo her zu organisieren, um mir Strafe anzudrohen, weil ich -sagen wir mal- Aldi mit Dummheit in Verbindung zu bringen gewagt habe.

Von beleidigten Briefen kann inzwischen nicht nur beispielsweise die Titanic ein Lied singen. Oder die taz  (Dieksmanns Verlängerungsaffäre etc.). Die Unterlassungsklagerei, die bildlich gesprochene Anwaltskanone, ist ja an und für sich schon eine Armseligkeit; wer klagt, selbst gegen offensichtliche Satire klagt, hat ganz offenbar etwas zu verbergen oder ein kränkelndes Selbstbewusstsein. Aber dass solche Geldgeier auch noch auf Blogger losgehen, gibt zu denken. Wo soll denn noch kritisch und wenn nötig schonungslos  unfreundlich berichtet werden, wenn nicht im Netz?

In der Tageszeitung, die auf die Werbekunden schielt? Im Fernsehen, das auf die Werbekunden schielt – oder auf noch schlimmere Zeitgenossen? Im Magazin, das auf die…

Aber nein. Ein Blogschreiber, der meint, irgendetwas außer der Wirtschaft sollte die Fäden in der Hand halten, der bekommt mal schön eins auf die Mütze. Und nicht nur das. Offenbar wird er auch noch für hoffnungslos unmündig gehalten. Blogger sind wehrlose kleine Tierchen, die im Internet herumkrabbeln. Sie bilden sich zwar ein, sie stellten so etwas wie eine Meinungsmacht dar, in Wirklichkeit sind sie aber schissige Bürger und tun alles, was man ihnen sagt. Und damit das auch so bleibt, wird nicht kommuniziert, sondern gleich gedroht.

Teilweise völlig widerlegbar und ohne wirkliche Grundlage. Aber es ist wie mit Schulden bei der Bank – niemand erzählt einem, dass die auf Grund des geringen Einkommens mitnichten irgendwelche Raten vom Konto ziehen dürfen. Schon gar nicht die Bank. Und der Anwalt wird sich hüten, zu erwähnen, dass sein Geschreibsel vielleicht nicht ganz wasserdicht ist.

Liebe Kläger: Wenn ihr also Blogs zensieren und damit auch noch eure Kasse aufbessern müsst, dann habt ihr es wohl echt nötig.