Der Lebensstandard in diesem Land ist derartig hoch, dass sich selbst „arme“ (150 – 200 Euro pro Person pro Monat) Leute wie wir jeden Tag Schokolade leisten könnten. Um nur ein Beispiel zu nennen.
Es ist selbstverständlich, bis zu mehrmals täglich Kakao, Kaffee, Tabak, Zitrusfrüchte usw. konsumieren zu können. Es ist normal. Es kostet einen verschwindend geringen Betrag. Dabei stammen diese Nahrungs- bzw. Genussmittel aus weit entfernten Ländern, werden zig Kilometer zu uns transportiert, triefen, platt gesagt, vom Blut ausgebeuteter Menschen und verschwenden Un-men-gen Wasser bei Anbau und Verarbeitung.
Ach Gott nee, Faitrade, Bio, das ist so teuer, da könnte ich nicht mehr so viel Kaffee trinken.
Ich wünschte, es wäre noch um einiges teurer. Ich wünschte, wir in dieser „zivilisierten“ Welt würden uns mal Gedanken machen, auf was für Wolken wir eigentlich schweben. Wir wollen alles, billig, sofort. Verzicht ist ein Buh-Wort für Freaks, jeder soll sich täglich Fleisch reinzimmern können. Undenkbar, wenn nicht die täglichen fünf Tassen Kaffee mit einer Zigarettenlänge drin wären (Tabakkonsum ist übrigens nur bei Hartz-IV-Empfängern eine ächtenswerte Sache, da sollen die bösen Asozialen ihren Kindern Gemüse kaufen, und was tun sie – sie quarzen. Nein, das ist schlimm, das ist infam. Wer dagegen Geld hat, der kann so viel rauchen wie er will, seine Kinder können sich auch scheiße ernähren, er wird niemals im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.).
Wo ist da die Relation? Wie kann es angehen, dass in unserer Gesellschaft diese Verschwendung von Ressourcen so systematisch betrieben und auch noch für selbstverständlich gehalten wird? Wie kann es sein, dass in diesem Land das Niveau so weit oben schwebt, dass 800 Euro netto als „Armut“ diffamiert werden?
Ich wünsche uns nicht allen die Pest an den Hals, und auch eine Verteuerung der Luxusgüter wird nichts verbessern, weil sich dann eben die Reichen weiter bedienen wie zuvor. Aber etwas Bewusstsein. Etwas Achtung…
Wer sich für unsere Verschwendungssucht interessiert, dem sei empfohlen, sich mal über „virtuelles Wasser“ zu informieren. Zum Beispiel beim WWF. Baumwolle, Fleisch, Kaffee und Consorten schlagen besonders zu Buche. Wer jemals wie ich in einer Käserei gearbeitet hat, weiß, was für Mengen an Trinkwasser auch bei der Milchverarbeitung ins Nirwana fließen – alles wird hundertmal abgewaschen, abgespritzt, durchgespült…
Hört auf, euch jeden Tag Fleisch und Käse reinzuschieben. Kauft Klamotten gebraucht. Nehmt nicht alles selbstverständlich.
Schön wärs.
27. Juni 2009 at 11:59
Schön ist es – zumindest für mich.
Ich habe materiell auch nicht viel, aber so wie du schreibst kann ich mir eigentlich „unendlich“ viel leisten, im Vergleich zum Großteil der Menschheit. Ich habe meine Sorgen, aber nicht wo ich schlafen werde, was und ob überhaupt ich etwas zu essen habe, wo ich zu sauberem Wasser komme, ob ich in Frieden leben kann…
Dafür bin ich dankbar und das mache ich mir auch immer wieder bewusst.
Alles Gute
8. Juli 2009 at 9:50
Ein sehr interessanter Artikel. Sollten Sie noch weitere Informationen haben – wurde ich mich freuen