Das kunstseidene zieht sich zurück, um endlich den verf… Roman fertig zu kriegen.
Das wars jetzt also erst mal für ein paar Wochen. Oder Monate. Bis mich wieder der Unmut packt und ich meine Zeit aufs Netz verwenden muss, um ihn kund zu tun.
28. Juli 2009
Das kunstseidene zieht sich zurück, um endlich den verf… Roman fertig zu kriegen.
Das wars jetzt also erst mal für ein paar Wochen. Oder Monate. Bis mich wieder der Unmut packt und ich meine Zeit aufs Netz verwenden muss, um ihn kund zu tun.
28. Juli 2009
Suchbegriff:
„mit wenig geld als künstler überleben“
Ich wünschte, liebe/r Unbekannte/r, ich hätte die Lösung. Aber es lebt sich. Versuch es einfach.
23. Juli 2009
Auf der Rückseite des aktuellen Lidl-Prospekts (bei der Bearbeitung des Artikels hier schoss mir übrigens spontan die Magensäure in die Nase, seltsam) fanden wir Folgendes:
„Tolle Menschen, tolles Team – Lidl sagt danke!
‘Mitarbeiter bei Lidl fühlen sich im Vergleich zum Branchendurchschnitt wesentlich stärker mit ihrem Arbeitsgeber verbunden.’
(Sagt Prof.Dr. W.Bungard nach der befragung durch das unabhängige WO Institut)
Das hat die jüngste bundesweite Mitarbeiterbefragung von mehr als 50.000 Lidl-Beschäftigten ergeben. DieVerbundenheit zu Lidl wurde von den Mitarbeitern im Durchschnitt nach dem Schulnotensystem mit einer Note von 1,7 bewertet. Die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter sagt, sie sei stolz, ein Teil von Lidl zu sein und würde sich jederzeit wieder für uns als Arbeitgeber entscheiden.
[...]“
Befragung durch das Mannheimer Institut für Wirtschafts- und Organsisationspsychologie, Herr Grandiosertitel Bungard ist Prof an der Uni Mannheim. Hervorhebungen im Original.
Erwartet wirklich irgendwer, dass ausspionierte ausgebeutete „Mit“arbeiter ihren Job verlieren wollen, indem sie die Wahrheit sagen? Fallen wirklich kritische Zeitgenossen auf eine so plumpe Imagekampagne herein?
Ich fürchte ja.
21. Juli 2009
"Kennt ihr den Unterschied zwischen Arm und Reich?
Die Armen verkaufen Drogen, um sich Nikes zu kaufen, und die Reichen
verkaufen Nikes, um sich Drogen zu kaufen."
Frédéric Beigbeder: 39,90, Rowohlt 2001, S.227
"Diese Marken sind im strengen Sinne unangreifbar. Sie haben das Recht
zur Rede, aber niemand hat das Recht zur Gegenrede. Über natürliche
Personen kann man in der Presse die schlimmsten Dinge verbreiten,
aber eine Zeitung, in der ein bisschen über einen Anzeigenkunden
hergezogen wird, riskiert gleich den Verlust von Millionen..."
ebd., S.213
(Siehe dazu auch bei konsumpf: Wie der Druck durch Werbung die freie Presse korrumpieren kann)
19. Juli 2009
Bushaltestelle in Hamburg. Ein paar Unbekannte und ich warten auf ein Vorwärtskommen, es wird langsam dunkel, alle Busse sind trotz ihrer Größe so vollbesetzt, dass nicht ein einziger Mensch mehr hineinpasst. Sie fahren vorbei.
Ich erkenne auf den zweiten Blick, dass aus Kapazitätsgründen Viehtransporter eingesetzt werden. Die Menschen im Innern strecken die Hände durch die Gitterschlitze, wedeln mit den Fingern. Sie sind sich nicht bewusst, wie das aussieht.
Aus Frust rufen wir Übriggebliebenen ihnen zu:
Vorsicht, die Gitter sind alle unter Strom!
Die Menschen drängen sich in den Transportern zusammen, so weit es geht. Sie überprüfen unsere Aussage nicht.
Sie glauben uns einfach.
18. Juli 2009
Endlich wieder Werbung.
Ein neues Video von „unserer“ (i.e. Rebells) amerikanischen Verwandtschaft, die mit den herumliegenden Kinderfotos nichts mehr gemein hat… „Wait for another“, lakonische Hippiemusik aus Portland.
Und als Beigabe: der blutjunge Eddie Vedder sowie Crosby, Stills & Nash in Woodstock (eigentlich sollte es „After the Gold Rush“ von Neil Young werden, aber Youtube ist ja dank Geldgier eine Wüste).
17. Juli 2009
Es macht mich aggressiv, wenn ich es lese.
Es rechtfertigt alles – Unterdrückung, Umweltzerstörung, Betrug.
Es wurde bereits erfolgreich von Hitler benutzt.
Es wird täglich durch den Effizienzwahn (Maschine statt Mensch) konterkariert.
Dieses Argument heißt: Arbeitsplätze.
Wie viele von ihnen sich schaffen ließen, wenn mehr Tätigkeiten einfach wieder von lebendigen Wesen ausgeführt würden!
Wenn es nicht IMMER nur ums Geld ginge, um eine noch billigere Produktion, um noch weniger Sozialabgaben, um noch mehr Gewinn für ein paar Sesselwichser, deren einzige Ablenkung vom Nichtstun darin besteht, Gelder zu veruntreuen und Golf zu spielen.
Aber nein.
Lieber wird die Ausleihe und Rückgabe von Büchereibüchern vollautomatisiert und der Fahrkartenkauf am Schalter unattraktiv gestaltet, damit man dann wieder schreien kann: erlaubt uns alles, engt uns nicht ein, sonst zerstört ihr Arbeitsplätze!
Gefühlslagenbedingt eigentlich gebrüllter Text. Jedoch aus Rücksicht auf potentielle Leser nicht gebrüllt.
16. Juli 2009
Bei einem Blick auf die Zeitung heute sehe ich, dass im Atommülllager Asse mal wieder die Post abgeht. Nachzulesen auch auf tagesschau.de – schön, dass jetzt eine Schließung des „unzumutbaren“ Lagers gefordert wird. Indes scheint keiner zu erwähnen, dass die ganze Geschichte mit der Radioaktivität für ein paar Millionen Jahre vielleicht insgesamt keine so gute Idee ist. Krümmel und Asse sind Paradebeispiele, wie „sauber“ Atomstrom wirklich ist.
Natürlich freue ich mich, wenn beispielsweise Vattenfuck wegen der unverantwortlichen Strompolitik (haha) künftig ein paar Kunden weniger hat, erst recht, wenn diese dann auf einen Ökostromanbieter umsteigen.
Trotzdem stehen weiter AKW in der Gegend herum, trotzdem wird verstrahlter Müll fröhlich „end“gelagert, trotzdem haben zuständige Politiker und Firmen einen Dreck gelernt.
Tschernobyl? Passiert uns nicht. Angst? Unnötig. Gefährlich? Wir sind doch auf dem neuesten Stand der Technik.
Lügen. Immer wieder Lügen. Damals wie heute. Wo bleibt der Aufschrei? Weshalb wird das so hingenommen, wird von „erneuern statt reparieren“ gelabert, wird so getan, als wären das kleine, unvermeidliche Ausnahmen, nicht weiter wichtig?
Meine momentane Lektüre scheint mir da wie ein einziger ironischer Kommentar zur Gegenwart:
"Nicht unvorbereitet, doch ahnungslos werden wir gewesen sein,
ehe wir die Nachricht empfingen. War uns nicht, als würden wir sie
wiedererkennen? Ja, habe ich eine Person in mir denken hören,
warum immer nur die japanischen Fischer.
Warum nicht auch einmal wir."
Christa Wolf: Störfall. Nachrichten eines Tages, Luchterhand, 1987, S.11
"Duschen solle man die Kinder, nachdem sie draußen gewesen seien.
Das Bad weiche die Haut auf, öffne die Poren und schwemme die
Radioaktivität erst recht in den Körper.
Übertrieben? Wenn man das nur wüsste."
ebd., S.22
14. Juli 2009
Bei meinem Geburtstagsbesuch am Wochenende wurde mir ein Päckchen Kakao mit Fairtradesiegel geschenkt – sie wolle es nicht mehr haben, da ihr der Kakao „zu schokoladig“ sei. Die Lösung war schnell gefunden: „Ich hab dann doch lieber Nesquik gekauft, haha. Guck mal, ich hab noch diese Nesquikdose dazubekommen, schick oder?“
Ich habe dann doch etwas verhalten reagiert. Ich wollte ihr weder erklären, dass ich momentan aus verschiedenen Gründen keine Kakaoprodukte zu mir nehme, noch, dass ich Nestlé für fiese Mörder halte und daher inzwischen Nestléproduktkäufer als Beihelfer betrachte. Nein, ich sagte feige nichts und wandte mich ab.
Als mir dann dieselbe Person mitteilte, dass sie nur noch Biomilch kaufe, weil sie es „unmöglich“ finde, „was mit den Bauern gemacht wird“, habe ich sie gleich über den Klee gelobt. Wir führten sogar noch ein Gespräch über den Wahn des Systems, einem immer mehr Konsumgut andrehen zu wollen, und dass es nicht sein kann, dass fette Alleinerziehende tonnenweise Cola rumstehen haben, aber angeblich kein Geld für Gemüse.
Man kommt sich ein bisschen vor wie bei der Hundeerziehung – gewünschtes Verhalten unterstützen, unerwünschtes ignorieren…
Was, das ist arrogant? Aber mit Kusshand.
11. Juli 2009
Der Scheiß, der wirkliche Scheiß an der Kunst ist doch folgender:
Wer nicht veröffentlicht, ist kein Künstler, weil niemand von den Manuskripten in der Schublade und den Songs auf der Festplatte weiß. Hier setzt die Eitelkeit des Künstlers ein – man möchte ja Anerkennung, man möchte als Künstler wahrgenommen werden, man möchte gelesen/gehört/gesehen werden. Sich darüber identifizieren können.
Für besonders größenwahnsinnige Exemplare:
Davon leben können (um nichts anderes mehr tun zu müssen, was genaugenommen nämlich an Zeitverschwendung genzt).
Und man möchte nicht veröffentlichen.
Denn wie kann dieses etwas, das man vor sich selbst als Kunst bezeichnet, diese eigene kleine Schöpfung, wie kann man das verkaufen? Wie kann man sich im Spiegel ansehen, nachdem man sich mit dem, was einem am wichtigsten ist, prostituiert hat?
Natürlich, veröffentlichen ohne kommerzielle Zwecke zu verfolgen befriedigt ebenfalls die Eitelkeit und erspart den Gewissenskonflikt; bringt lediglich die Angst vorm Scheitern mit sich, die Verwehrung der Anerkennung des Werkes, und damit des Innersten, das nach außen gekehrt wurde.
Ohne die Prostitution jedoch löst sich das Dilemma nicht, ständig andere Dinge tun zu müssen (von betteln bis arbeiten), um sich über Wasser zu halten, was wiederum der Kunst schadet.
Hah! Und da heißt es dann noch unverfroren, das Leben bestehe aus Entscheidungen.