Das kunstseidene zieht sich zurück, um endlich den verf… Roman fertig zu kriegen.

Das wars jetzt also erst mal für ein paar Wochen. Oder Monate. Bis mich wieder der Unmut packt und ich meine Zeit aufs Netz verwenden muss, um ihn kund zu tun.

Suchbegriff:

“mit wenig geld als künstler überleben”

Ich wünschte, liebe/r Unbekannte/r, ich hätte die Lösung. Aber es lebt sich. Versuch es einfach.

Auf der Rückseite des aktuellen Lidl-Prospekts (bei der Bearbeitung des Artikels hier schoss mir übrigens spontan die Magensäure in die Nase, seltsam) fanden wir Folgendes:

“Tolle Menschen, tolles Team – Lidl sagt danke!
‘Mitarbeiter bei Lidl fühlen sich im Vergleich zum Branchendurchschnitt wesentlich stärker mit ihrem Arbeitsgeber verbunden.’
(Sagt Prof.Dr. W.Bungard nach der befragung durch das unabhängige WO Institut)

Das hat die jüngste bundesweite Mitarbeiterbefragung von mehr als 50.000 Lidl-Beschäftigten ergeben. DieVerbundenheit zu Lidl wurde von den Mitarbeitern im Durchschnitt nach dem Schulnotensystem mit einer Note von 1,7 bewertet. Die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter sagt, sie sei stolz, ein Teil von Lidl zu sein und würde sich jederzeit wieder für uns als Arbeitgeber entscheiden.
[...]”

Befragung durch das Mannheimer Institut für Wirtschafts- und Organsisationspsychologie, Herr Grandiosertitel Bungard ist Prof an der Uni Mannheim. Hervorhebungen im Original.

Erwartet wirklich irgendwer, dass ausspionierte ausgebeutete “Mit”arbeiter ihren Job verlieren wollen, indem sie die Wahrheit sagen? Fallen wirklich kritische Zeitgenossen auf eine so plumpe Imagekampagne herein?

Ich fürchte ja.

"Kennt ihr den Unterschied zwischen Arm und Reich? 
Die Armen verkaufen Drogen, um sich Nikes zu kaufen, und die Reichen
verkaufen Nikes, um sich Drogen zu kaufen."

Frédéric Beigbeder: 39,90, Rowohlt 2001, S.227

"Diese Marken sind im strengen Sinne unangreifbar. Sie haben das Recht 
zur Rede, aber niemand hat das Recht zur Gegenrede. Über natürliche
Personen kann man in der Presse die schlimmsten Dinge verbreiten,
aber eine Zeitung, in der ein bisschen über einen Anzeigenkunden 
hergezogen wird, riskiert gleich den Verlust von Millionen..."

ebd., S.213
(Siehe dazu auch bei konsumpf: Wie der Druck durch Werbung die freie Presse korrumpieren kann)

Bushaltestelle in Hamburg. Ein paar Unbekannte und ich warten auf ein Vorwärtskommen, es wird langsam dunkel, alle Busse sind trotz ihrer Größe so vollbesetzt, dass nicht ein einziger Mensch mehr hineinpasst. Sie fahren vorbei.
Ich erkenne auf den zweiten Blick, dass aus Kapazitätsgründen Viehtransporter eingesetzt werden. Die Menschen im Innern strecken die Hände durch die Gitterschlitze, wedeln mit den Fingern. Sie sind sich nicht bewusst, wie das aussieht.
Aus Frust rufen wir Übriggebliebenen ihnen zu:

Vorsicht, die Gitter sind alle unter Strom!

Die Menschen drängen sich in den Transportern zusammen, so weit es geht. Sie überprüfen unsere Aussage nicht.
Sie glauben uns einfach.

Endlich wieder Werbung.

Ein neues Video von “unserer” (i.e. Rebells) amerikanischen Verwandtschaft, die mit den herumliegenden Kinderfotos nichts mehr gemein hat…  “Wait for another”, lakonische Hippiemusik aus Portland.

Und als Beigabe: der blutjunge Eddie Vedder sowie Crosby, Stills & Nash in Woodstock (eigentlich sollte es “After the Gold Rush” von Neil Young werden, aber Youtube ist ja  dank Geldgier eine Wüste).

Es macht mich aggressiv, wenn ich es lese.
Es rechtfertigt alles – Unterdrückung, Umweltzerstörung, Betrug.
Es wurde bereits erfolgreich von Hitler benutzt.
Es wird täglich durch den Effizienzwahn (Maschine statt Mensch) konterkariert.

Dieses Argument heißt: Arbeitsplätze.

Wie viele von ihnen sich schaffen ließen, wenn mehr Tätigkeiten einfach wieder von lebendigen Wesen ausgeführt würden!
Wenn es nicht IMMER nur ums Geld ginge, um eine noch billigere Produktion, um noch weniger Sozialabgaben, um noch mehr Gewinn für ein paar Sesselwichser, deren einzige Ablenkung vom Nichtstun darin besteht, Gelder zu veruntreuen und Golf zu spielen.
Aber nein.
Lieber wird die Ausleihe und Rückgabe von Büchereibüchern vollautomatisiert und der Fahrkartenkauf am Schalter unattraktiv gestaltet, damit man dann wieder schreien kann: erlaubt uns alles, engt uns nicht ein, sonst zerstört ihr Arbeitsplätze!

Gefühlslagenbedingt eigentlich gebrüllter Text. Jedoch aus Rücksicht auf potentielle Leser nicht gebrüllt.

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